Montag, 4. Januar 2016

Rauchen ist eine Sucht, Nicht-Rauchen auch!



Rauchen gefährdet die Gesundheit! Hört auf damit! Rettet euch! Entgiftet den Körper und den Geist! Schluss mit dem ekelhaften Zigarettendunst! Seit einmal im Leben mutig und werft alle Kippenschachteln weg, entlüftet eure Räume und atmet frische Luft! Los doch! Es ist ganz einfach, ihr müsst es nur wollen. Strebt nach einem suchtfreien Leben!

Wenn Raucher diese Aufforderung lesen, werden sie wohl den Kopf schütteln, abwinken und den Urheber der Zeilen womöglich verdammen. Überzeugte Nicht-Raucher, Gutmenschen und Moralapostel werden Beifall klatschen, die Zeilen vielleicht noch unterstreichen und sie jedem Raucher mitgeben, dem sie begegnen.

Detlef war Kettenraucher. Er genoss jede einzelne Zigarette, jeden Zug und jeden Qualm, den er in einer künstlerisch wirkenden Pose aus seinem Mund herausblies. Seit seinem 16. Lebensjahr war er einer von vielen, die aus irgendwelchen Gründen heraus mit dem Rauchen anfingen. Einen wirklich handfesten Grund konnte Detlef dafür nie nennen. Er hat es einfach getan, weil es andere auch taten. Nun genießt er das Rauchen. Für ihn gehört es so zum Alltag wie der morgendliche Toilettengang. An besonders guten Tagen gelingt es ihm, beide Dinge – das Rauchen und den Toilettengang – miteinander zu verbinden, was ihm eine große Freude bereitet. Nicht-Rauchern stand er immer skeptisch gegenüber. Er lehnte all jene ab, die ihn vor Gesundheitsschäden warnten, ihn höflich baten, draußen zu rauchen oder die ihm mit Listen von Inhaltsstoffen entgegentraten, die angeblich in den kleinen Tabakröllchen verborgen sein sollen. Er konnte die meisten dieser Menschen geschickt ignorieren. Einige fuhr er scharf an, dass es sie nix anginge und ganz wenige beleidigte er sogar. Nun war es jedoch so, dass sein gesundheitlicher Zustand mit der steigenden Menge an Zigaretten abnahm. Immer mehr Familienangehörige und Arbeitskollegen redeten nun auf ihn ein, er solle endlich aufhören. Detlef, ja Detlef solle nach einem suchtfreien Leben streben, aber dieser wollte einfach nicht hören. Detlef sah keinen Grund dafür und rauchte auf solche Kommentare gleich zwei Zigaretten.

Auf seiner Arbeit – Detlef war Elektriker – traf er viele rauchende Kollegen an. Als er an seinem Spind stand und gerade dabei war, in seine Zigarettenschachtel zu greifen, kam ein junger Kollege zu ihm. Dieser wusste um den Gesundheitszustand von Detlef und um dessen Zigarettenverlangen. Als er sah, wie Detlef sich eine Zigarette anzündete, fragte er ihn: „Warum tust du dir das an? Ist es das denn wert? Sieh dich an! Du baust ab und diese Dinger unterstützen das Ganze noch. Höre doch damit auf!“ Ruhig sah Detlef hinüber. Er mochte den jungen Kollegen und hatte daher Nachsicht. Normalerweise würde er ihn völlig ignorieren oder unfreundlich weg bitten. Bei diesem machte er jedoch eine Ausnahme, denn der junge Kollege war selbst ein Raucher. Detlef sagte zu ihm: „Du rauchst doch selber, oder?“ Der Kollege antwortete ihm: „Ja, aber mir geht es gut damit. Ich bin gesund.“ Detlef sagte rasch zu ihm: „Dann höre du lieber mit dem Rauchen auf. Würde ich mich jetzt anstrengen, aufzuhören, wäre ich noch immer süchtig.“ Der junge Mitarbeiter verstand dies nicht, daher fragte er Detlef: „Noch immer süchtig?“ Detlef schmunzelte und sprach: „Ja, noch immer süchtig. Aber nicht nach Zigaretten!“ Jetzt war der junge Mann noch mehr verwirrt. „Wonach dann, Kaffee, Schokolade, Alkohol?“, fragte er. Detlef  musste laut auflachen, als er das hörte. „Nein! Natürlich nicht, ich wäre wohl nach meinem Nicht-Rauchen süchtig.“ Damit konnte der Gegenüber erst recht nichts anfangen: „Was?“, fragte er völlig verwirrt, „Nach dem Nicht-Rauchen süchtig?“ Detlef erklärte sich: „Rauchen ist eine Sucht, das gestehe ich mir ein. Aber angestrengt, nicht rauchen zu wollen, ist ebenso eine Sucht.“ Detlef bot dem jungen Mann eine Zigarette an und verabschiedete sich freundlich.