Dienstag, 9. August 2016

21. Ragnarök

Auf stand Odin, der alte Held, und legte Sleipnir seinen Sattel auf,
zu durchstreifen der Menschen Welt – die Midgard genannt.
Der Walvater ist Wanderer, Dichter, Weiser und Krieger, ist Schamane und Gott, ist Herr über die Menschen und Asen. Reiten muss er nun geschwind, in Midgard tobt der Krieg, in Asgard fallen Götter. Niflheim brennt und Hvergelmir speit grünes Gift, aller Midgards Flüsse sind tot. Yggdrasil, die Gesamtheit der Schöpfung, verfault an den Wurzeln, brennt in der Krone und wird am Stamm geschlagen.
Urd, Verdandi und Skuld haben keinen Faden mehr, das Spinnrad ist gebrochen und in der Ferne ertönt Schlachtenlärm. Beilzeit! Bruder gegen Bruder, Vater gegen Sohn, Tochter gegen Mutter – Menschen gegen Götter, Götter gegen Riesen, Riesen gegen Zwerge. Die alte Welt brennt, eine neue nicht in Sicht.

Odin, Göttervater und Kriegsfürst, was zeigen dir Hugin und Munin, deiner Raben Hellsicht? Was sieht dein eines Auge, das andere, was geopfert für Weisheit, bleibt stumm?! Was siehst du, wenn du nach Midgard blickst, wenn du galoppierst zwischen allen Welten und siehst, was Menschen auf Erden und Götter im Himmel tun? Geopfert hast du dich, um weise zu werden, gehangen hast du einst am Weltenbaum, nun ist‘s der Baum, der sich opfern muss, der sterben muss. Die Welt vergeht, Naudhiz steht an – Schlachtzeit, Beilzeit. Gungnir, dein Speer, Walvater, der den ersten Krieg brachte, er wird den letzten beenden. Steig herab vom stolzen Sleipnir, lass Geri und Freki die Spur aufnehmen, die in die Herzen der Menschen führt.

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