Sonntag, 21. August 2016

Ein Röslein unter Hecken wächst

Starres Grün und feste Wurzeln halten streng das Röslein zart.
Es steht allein - als einziges seiner Art,
ist verschlungen mit der Hecken Triebe,
wird beschützt vor greifender Hand der Diebe.

Des Rösleins Blüten werden schwach,
ringsherum tönt der Hecken Krach.
Sie streckt sich und wird dichter,
zeigt dem Röslein 1000 Gesichter.
Das Röslein bangt und weint,
sieht nur selten die Sonn' für sie scheint.
Da kommt daher ein Wandersmann,
sieht das Röslein, erkennt den Bann.
Ausgraben tut er das Röslein nicht,
will ihm Raum schenken und auch Licht,
drum schneidet er die Hecke frei,
dass das Röslein wohl gedeih'.

Feuerkönigin

Einst hast du das Feuer entfacht,
hast erhellt die finstre Nacht,
bist nicht von dieser Welt
und hast dich unter sie gestellt.

Dein Herz schlägt wie ein Vulkan,
gefangen bin ich in deinem Wahn,
lässt Feuer herniederregnen,
den Boden unter mir erbeben.
Dein Haar, so lang, so finster, so glühend heiß,
mein Herz ich nur für dich zerreiß'.
Deine Konturen - so fest, so stark,
dein Feuer verbrennt mein Mark.
Mit flammender Stimme deine Worte klingen,
muss ich um meinen Atem ringen.
Dein Königreich trägst du tief in dir,
beschützt es - auch vor mir.
Deiner Lippen heißer Kuss,
ich ihn kosten muss,
dein Feuer, oh Königin, so rein und klar,
unser aller Schicksal nur dir offenbar.
Im Feuerschleier deine Hüften steh'n,
auf Feuers Schweif kannst in alle Richtung' geh'n.
Deine Füße nur aus Kohlen sind,
Lava durch deine Adern rinnt.
Ich seh dich an im matten Schein,
geb mich hin und werde Dein.
Du brennst mich aus,
treibst so böse Geister hinaus.
Eng umschlungen entbrennen wir,
hast mich gekrönt - jetzt und hier.
Für immer wird du Königin sein,
lässt auf ewig deine Feuer spei'n.

Sonntag, 14. August 2016

Im Zauberbann

Im Zauberbann

Auf hoher Klippe steht sie dort;
wohl erhaben, rein und schön,
reißt mich hinfort,
hinein in einen warmen Föhn.

Es kribbelt, gibt Funken und Schweigen.
Zarter Sternen Augenblick, gefühlt und nicht gesehen.
Ein Orchester – Trommeln, Flöten, Geigen;
ich lausche dem Wind und lasse mich gehen.

In reinster Form scheinst du vor mir,
hast mich gepackt in deinen Bann,
trägst Himmel und Erde in dir,
ich weiß nicht mehr, wann es begann.

Dein Schatten schlägt die Wellen weit,
dein Wesen, zartes Blümlein, tiefe Welten heißt;
was zählt, ist nicht die Vergangenheit,
was zählt, bist du, die stetig reist.

Unsterblich du mir Leben schenkst,
auf ewig meine Seele brennen mag,
deinen Odem du zu mir lenkst,
dass aufgeht uns ein neuer Tag.

So stehe ich fernab der Menschen Welt,
allein, nackt und frei,
schenke mich auf ganzem Feld,

dir, oh Göttin mit Gesichtern drei.

Dienstag, 9. August 2016

21. Ragnarök

Auf stand Odin, der alte Held, und legte Sleipnir seinen Sattel auf,
zu durchstreifen der Menschen Welt – die Midgard genannt.
Der Walvater ist Wanderer, Dichter, Weiser und Krieger, ist Schamane und Gott, ist Herr über die Menschen und Asen. Reiten muss er nun geschwind, in Midgard tobt der Krieg, in Asgard fallen Götter. Niflheim brennt und Hvergelmir speit grünes Gift, aller Midgards Flüsse sind tot. Yggdrasil, die Gesamtheit der Schöpfung, verfault an den Wurzeln, brennt in der Krone und wird am Stamm geschlagen.
Urd, Verdandi und Skuld haben keinen Faden mehr, das Spinnrad ist gebrochen und in der Ferne ertönt Schlachtenlärm. Beilzeit! Bruder gegen Bruder, Vater gegen Sohn, Tochter gegen Mutter – Menschen gegen Götter, Götter gegen Riesen, Riesen gegen Zwerge. Die alte Welt brennt, eine neue nicht in Sicht.

Odin, Göttervater und Kriegsfürst, was zeigen dir Hugin und Munin, deiner Raben Hellsicht? Was sieht dein eines Auge, das andere, was geopfert für Weisheit, bleibt stumm?! Was siehst du, wenn du nach Midgard blickst, wenn du galoppierst zwischen allen Welten und siehst, was Menschen auf Erden und Götter im Himmel tun? Geopfert hast du dich, um weise zu werden, gehangen hast du einst am Weltenbaum, nun ist‘s der Baum, der sich opfern muss, der sterben muss. Die Welt vergeht, Naudhiz steht an – Schlachtzeit, Beilzeit. Gungnir, dein Speer, Walvater, der den ersten Krieg brachte, er wird den letzten beenden. Steig herab vom stolzen Sleipnir, lass Geri und Freki die Spur aufnehmen, die in die Herzen der Menschen führt.

Montag, 8. August 2016

Waldes Einsamkeit


Wo Schmetterlinge zart und unbedacht auf Blumen tanzen,
wo alte Nadeln Wege schaffen, wo Winde hohe Wipfel peitschen,
wo süßer Tannenduft den Alltag bannt und Vögel munter ihre Liedlein pfeifen, da stehe ich in trüber Mannsgestalt.
Da bin ich einsam, leider nicht all-ein, bin einsam und bleibe es. „Kein Baum sieht den andern. Jeder ist allein.“ Die Stille des Waldes, so tief und eindringlich lädt sie ein zum Freudentanz.
Schwarzes Licht scheint durch die alten Tannen. Fernab ruft die Krähe, sieht voraus, was mich ereilen wird. Die Krähe schreit, der Heimatlose zieht umher, mitten im Wald, ist er auf einsamer Flur.
Der Wald, so dicht und fest, umschließt mich, schafft Raum durch Enge, gibt Freiheit durch Begrenzung. Er ist es, der zu mir wortlos spricht, keine Buchstaben oder Zahlen kennt. Hören kann ich ihn, verstehen nicht.
Im Wald, da ist man verlassen, ist gelassen, heiter und wohl auf. Auf Wanderschaft, deine Aura mich verführt, berührt – ich habe deinen Geruch so gern, deine zarten Lippen im Dickicht, deine Augen am Firmament. Die Krähe ruft, sie ruft mich heim. Im Wald, da bin ich zuhaus‘. In Waldes Einsamkeit steht mein Haus.

Am Fenster

Still, schweigsam, wartend schaue ich nach draußen,
erblicke Sterne, finstre Wolken, Träume, die ins Ferne sausen.
Vergebens schweift mein Blick,
habe Furcht, dass bricht mein Genick.

Durchs reine Glas seh ich die Welt,
blicke hin ins weite Himmelszelt,
dort erblicke ich der Hoffnung Zeichen,
des Schicksals vorbestimmte Weichen.
Im Engen sitze ich und seh hinaus,
vergess‘ mein Haus, mein enges, schmales Haus,
drum ruft der Krähen Schar nach meinem Sein,
ich muss, ich kann, ich darf vergessen sein.

Heimatlos


Einsam zieht umher,
wer keine Heimat hat nun mehr,
zum Wandern verdammt,
die Seele entbrannt.

Er muss ziehen von Ort zu Ort,
von Mensch zu Mensch, von hier nach dort.
Er ist geknechtet unter seinen Sohlen,
geht wie der Held auf glüh’nden Kohlen.
Einsam ist’s um ihn, der keine Heimat kennt,
der immer nur voll Inbrunst rennt,
der nicht ruhen kann und ruhen will,
bleibt er einmal stehen, so wird es still.
Heimat ist verloren, Heimat ist vergangen,
ersetzt durch unstillbares Verlangen,
durch des Wanderers Blick ins Weite,
niemand ist da, der geht an seiner Seite.

Montag, 2. Mai 2016

Gefangen um frei zu sein



Des Freiheits Weg ist Trug,
du wandelst auf Betrug,
wer denkt, frei zu sein, der irrt,
die Pflicht zum Willen ihn verwirrt.

Freiheit und Zwang sind eins,
nur zusammen sind sie deins,
lass eines weg und denk ans andre,
so zerbricht der Freiheit Bande.

Zwang gehört zum Leben,
nur so kannst du die Freiheit geben,
gib der Freiheit ihren Zwang,
so wird dir niemals Angst und Bang.

Montag, 4. Januar 2016

Rauchen ist eine Sucht, Nicht-Rauchen auch!



Rauchen gefährdet die Gesundheit! Hört auf damit! Rettet euch! Entgiftet den Körper und den Geist! Schluss mit dem ekelhaften Zigarettendunst! Seit einmal im Leben mutig und werft alle Kippenschachteln weg, entlüftet eure Räume und atmet frische Luft! Los doch! Es ist ganz einfach, ihr müsst es nur wollen. Strebt nach einem suchtfreien Leben!

Wenn Raucher diese Aufforderung lesen, werden sie wohl den Kopf schütteln, abwinken und den Urheber der Zeilen womöglich verdammen. Überzeugte Nicht-Raucher, Gutmenschen und Moralapostel werden Beifall klatschen, die Zeilen vielleicht noch unterstreichen und sie jedem Raucher mitgeben, dem sie begegnen.

Detlef war Kettenraucher. Er genoss jede einzelne Zigarette, jeden Zug und jeden Qualm, den er in einer künstlerisch wirkenden Pose aus seinem Mund herausblies. Seit seinem 16. Lebensjahr war er einer von vielen, die aus irgendwelchen Gründen heraus mit dem Rauchen anfingen. Einen wirklich handfesten Grund konnte Detlef dafür nie nennen. Er hat es einfach getan, weil es andere auch taten. Nun genießt er das Rauchen. Für ihn gehört es so zum Alltag wie der morgendliche Toilettengang. An besonders guten Tagen gelingt es ihm, beide Dinge – das Rauchen und den Toilettengang – miteinander zu verbinden, was ihm eine große Freude bereitet. Nicht-Rauchern stand er immer skeptisch gegenüber. Er lehnte all jene ab, die ihn vor Gesundheitsschäden warnten, ihn höflich baten, draußen zu rauchen oder die ihm mit Listen von Inhaltsstoffen entgegentraten, die angeblich in den kleinen Tabakröllchen verborgen sein sollen. Er konnte die meisten dieser Menschen geschickt ignorieren. Einige fuhr er scharf an, dass es sie nix anginge und ganz wenige beleidigte er sogar. Nun war es jedoch so, dass sein gesundheitlicher Zustand mit der steigenden Menge an Zigaretten abnahm. Immer mehr Familienangehörige und Arbeitskollegen redeten nun auf ihn ein, er solle endlich aufhören. Detlef, ja Detlef solle nach einem suchtfreien Leben streben, aber dieser wollte einfach nicht hören. Detlef sah keinen Grund dafür und rauchte auf solche Kommentare gleich zwei Zigaretten.

Auf seiner Arbeit – Detlef war Elektriker – traf er viele rauchende Kollegen an. Als er an seinem Spind stand und gerade dabei war, in seine Zigarettenschachtel zu greifen, kam ein junger Kollege zu ihm. Dieser wusste um den Gesundheitszustand von Detlef und um dessen Zigarettenverlangen. Als er sah, wie Detlef sich eine Zigarette anzündete, fragte er ihn: „Warum tust du dir das an? Ist es das denn wert? Sieh dich an! Du baust ab und diese Dinger unterstützen das Ganze noch. Höre doch damit auf!“ Ruhig sah Detlef hinüber. Er mochte den jungen Kollegen und hatte daher Nachsicht. Normalerweise würde er ihn völlig ignorieren oder unfreundlich weg bitten. Bei diesem machte er jedoch eine Ausnahme, denn der junge Kollege war selbst ein Raucher. Detlef sagte zu ihm: „Du rauchst doch selber, oder?“ Der Kollege antwortete ihm: „Ja, aber mir geht es gut damit. Ich bin gesund.“ Detlef sagte rasch zu ihm: „Dann höre du lieber mit dem Rauchen auf. Würde ich mich jetzt anstrengen, aufzuhören, wäre ich noch immer süchtig.“ Der junge Mitarbeiter verstand dies nicht, daher fragte er Detlef: „Noch immer süchtig?“ Detlef schmunzelte und sprach: „Ja, noch immer süchtig. Aber nicht nach Zigaretten!“ Jetzt war der junge Mann noch mehr verwirrt. „Wonach dann, Kaffee, Schokolade, Alkohol?“, fragte er. Detlef  musste laut auflachen, als er das hörte. „Nein! Natürlich nicht, ich wäre wohl nach meinem Nicht-Rauchen süchtig.“ Damit konnte der Gegenüber erst recht nichts anfangen: „Was?“, fragte er völlig verwirrt, „Nach dem Nicht-Rauchen süchtig?“ Detlef erklärte sich: „Rauchen ist eine Sucht, das gestehe ich mir ein. Aber angestrengt, nicht rauchen zu wollen, ist ebenso eine Sucht.“ Detlef bot dem jungen Mann eine Zigarette an und verabschiedete sich freundlich.