Dienstag, 4. August 2015

Außen hui – innen pfui



So manches Menschlein, gar fein in der Rede und im Tun,
ist nicht mehr als ein Schein von Tugendhaftigkeit und ein Sein
von gespaltener Persönlichkeit und krankhafter Neurose.

Dieses kleine Menschlein im Denken um sich gefangen,
sieht sich als Freigeist, ist’s doch selbst der, der zu
lebenslanger Haft durch Selbstjustiz verurteilt wurde.

Oh kleines Menschlein, welch Kummer trägt dich so weit hinaus?
Wie ignorant ist deine Seele bloß geworden? Freigeist gleich geistfrei!
Der Tugendhafte ist nicht tugendhaft, der Freigeist, kein Freigeist.

Da steht nun dieses Menschlein nackt auf dem Feld. Es friert jämmerlich und
denkt doch, es sei im warmen Haus. Deine Seele ist erfroren, Menschlein.
An dir selbst kannst du dich nicht mehr wärmen.

Einst trugst du die Gelassenheit als Mantel. Ach Menschlein, sieh doch nur jetzt deine Lumpen.
Früher schmückte die Liebe dein Haupt, heute trägst du eine Glatze, denkst, es sei lockenes Haar.
Dein bester Traum ist deine eigene Weisheit; aufwachen kannst du nicht und willst du nicht.

Nun geh hinaus, erzähle den anderen Menschen, was du weißt.
Beglücke sie mit deinem Traum. Verblende sie in deinen Lumpen.
Kleider machen ja bekanntlich Leute! Wer dir folgt, trägt selbst die Schuld.