Montag, 27. Januar 2014

Schicksal: Dem Leben mühelos begegnen - Traktat der Freiheit

Mein Traktat der Freiheit kann nun über Amazon bestellt werden - Buchform sowie Kindle-Version. Auf Basis eines Paradigmenwechsels argumentiere ich für einen Freiheitsbegriff, der nicht das Entscheiden-Können zum Maß aller Dinge macht, sondern das Geschehen-Lassen als Primat der Freiheit definiert. Demnach liegt jedem Menschen ein unveränderliches Schicksal zugrunde, welches erfüllt wird - so oder so - und in diesem Schicksal ergeben wir uns der Illusion von Willensfreiheit und Entscheidungsfreiraum, um diese Welt gestalten zu können. Dieses Paradoxon ist allerdings nicht im kausal-linearen Denken zu lösen, sondern bedarf individueller Erfahrungen und Reifeprozesse. 




Leseprobe: 




1 Einleitende Worte


„Jeder ist seines Glückes Schmied.“ – diese Losung scheint unsichtbar, wohl aber wahrnehmbar, als Motto über unserer Gesellschaft zu schweben. Die Fülle an Möglichkeiten, die uns gegenwärtig zur Lebensbewältigung zur Verfügung stehen, haben die Ideen der Selbstverwirklichung und Selbstverantwortung ins Uferlose getrieben. In der Gegenwartsgesellschaft wird eine zunehmende Individualisierung vorangetrieben, die ihre Spuren nicht sichtbar hinterlässt, sondern unsichtbar – eben wie die obige Glücksproklamation. Der Individualismus der Postmoderne wirft den Menschen auf sich selbst zurück ohne ihn davor zu warnen, dass es sich lediglich um einen spekulativen Idealismus handelt, in welchem der Einzelne gleichsam einem Schlafwandler im Treibsand, zum Untergehen verdammt ist. Wer heutzutage über seine schlechten Umstände klagt, der scheint selbst an ihnen schuld zu sein. Wer zu wenig Geld verdient, könnte jederzeit mehr verdienen, wenn er sich nur mehr anstrengen würde oder wenn er nach besseren Berufsmöglichkeiten suchen würde. Wer erkrankt ist, trägt ebenso die Schuld an seinem Schicksal, er könnte sich ja jederzeit gesünder ernähren oder mehr Sport treiben. Und wer in seinen Beziehungen scheitert, der muss eben nur lernen mit dem Gegenüber besser umzugehen. Das Zurückwerfen des Menschen auf sich selbst offeriert nicht nur eine künstliche Isolation des Einzelnen von seiner Umwelt, sondern forciert zugleich Schuldkonzepte, die eine Einengung des Menschen bewirken obwohl zugleich eine scheinbare Ausdehnung seiner Möglichkeiten stattfindet. Dass eine Suche nach Schuld nicht bei dem Einzelnen selbst enden kann, ist nur logisch, wäre er doch mit der Alleinschuld moralisch vollkommen überfordert; so wird die Last jener Schuld umgewuchtet, auf den Partner, die Kinder, die Nachbarn, die Kollegen, die Politiker, die Pfarrer, die Gesellschaft usw. Die Schuld als solche bleibt aber bestehen. Dieser „Kreislauf der Schuld“ ist wiederum nur ein Symptom für die Krankheit der etablierten Welt- und Menschenvorstellungen.

Das rational-naturwissenschaftliche Weltbild, welches alle Bereiche unserer Gesellschaft dominiert, hat zu einer Einengung unserer Wahrnehmung beigetragen, so dass wir nur noch kleine Fragmente der Wirklichkeit erkennen können, die wir in einem kindlichen Glauben in Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu stellen versuchen. Dieser Reduktionismus von Wirklichkeit auf wenige Elemente eben jener verführt all zu leicht zu der Grundannahme, dass alles, was ist, auf bestimmte Ursachen zurückführbar sei. In dieser eingeengten Wahrnehmung der Wirklichkeit leben wir und handeln wir. Die folgenreichste Illusion jener Vorstellung dürfte dabei der freie Wille sein. Führen wir eine Handlung aus, so wird diese durch unsere Willenskraft eingeleitet. Der Mensch entscheidet sich (scheinbar) frei für oder gegen etwas. Es wird ein illusorischer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen einem Punkt der Gegenwart und einem Punkt der Vergangenheit hergestellt: Ich arbeite heute als Büroangestellter, weil ich mich vor fünf Jahren dafür entschieden habe. Diese im Nachhinein vom Verstand konstruierte Geschichte vernachlässigt 99,9999999 % der Wirklichkeit, was zu völligen Fehleinschätzungen des eigenen Lebens und der Wirklichkeit im Allgemeinen führt. Die durch den Verstand konstruierte Wirklichkeit ist nicht die tatsächlich vorhandene, sondern immer nur eine Nacherzählung ausgewählter Fragmente. Dies betrifft auch die eigene Identität und die Erfüllung des eigenen Schicksals. Solange wir glauben, wir seien für unser Schicksal selbst verantwortlich, werden wir leiden und in uns ein Schlachtfeld zwischen Wirklichkeit und Illusion erzeugen. Wir leben im ständigen Konflikt mit dem was ist, weil wir uns nach dem sehnen, was nicht ist. Wir glauben, etwas ändern zu können und ändern zu müssen, scheitern aber immer wieder an dem, was ist. Dieser Kampf verschleißt nicht nur unnötige geistige und körperliche Energie, sondern wird niemals endgültig ausgefochten werden. Die einzige Möglichkeit, ein zufriedenes und erfülltes Leben zu führen, ist das Auslöschen des Schlachtfeldes als Ganzes und das Hingeben an das, was ist. Durch das Annehmen dessen was gerade ist, erkennen wir unsere Grenzen und gelangen gerade durch dieses Erkennen in einen Zustand der vollkommenen Freiheit – einer Freiheit, die unabhängig von Erwartungen, Haltungen, Motiven, Vorstellungen, Wünschen usw. existiert. Freiheit bedeutet Loslassen und Annehmen zugleich.

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