Montag, 7. Oktober 2013

Wie ein Held starb



In strahl’nder Rüstung, grellem Lichte,
mit Flammenschwert und Eichenschild,
steht der Held siegreich unter’m Banner.
Kampfesspuren zeichnen seinen Körper,
doch in seinem Geist wohnt Tapferkeit.

Siegreich gekämpft, die Hunnen vertrieben,
siegreich gefochten, den Feind geschlagen.
„Ruh dich aus, großer Held. Lehn dich an,
trink Wasser und nimm dies Brot.“
Langsam nimmt der Held die Rüstung ab.

„Komm und setz dich, großer Ritter.
Bleib beim Feuer, dort ist’s warm.
Ich bring dir das Wasser und das Brot.“
Mit geschloss’nen Augen hört der Held.
Er hört den Himmelssang und den Göttertanz.

„Wie tapfer musst du sein, großer Mann.
Hier, das Wasser, trink schön viel.
Wahrhaftig, ritterlich dein Wesen ist – nun trink schon.“
Zögernd, bedrückt, unfreiwillig nahm der Held den Becher.
„Trink schon! Wirst seh’n: es wird dir gut tun.“

Ein einz’ger Schluck, ein tiefer Schrei.
Das Seelenfeuer ist entfacht, der Todeskampf ist nah.
„Was? Was? Was ist mit mir geschehen? Kann nicht aufstehen – bin gelähmt.“
„Oh großer Held, schone dich. Tapfer warst du, tapfer wirst du bleiben.
Leg dich in meinen Schoß, lass los und gib dich hin.“

Ein Aufschrei. Die Augen sind nun starr. Der Blick verängstigt, bleich und leer.
Der Held am Feuer liegt, in seinem Herzen Kälte ist – seine Rüstung abgelegt.
„Ach, großer Held, du Narr, wolltest mein Brot, mein Wasser.
Im Tausch dafür habe ich dein Leben. Aus Todeslust und Verlangen schenkte ich dir mein Gift.
Teufelskerl, hast mir vertraut, mir geglaubt.“

Einsam liegt der Held am Feuer, vergiftet durch Vertrauen,
getötet durch das Gift.
„Lasst liegen seinen Leichnam, soll’n andre ihn vergraben.
Mein Wunsch, der ist erfüllt. Ich konnte siegen, ohne kämpfen.
Konnte täuschen, ohne getäuscht zu werden. So ein Teufelskerl.“