Montag, 11. März 2013

Richtig beten will verlernt sein





                                              Bildquellenangabe: Jörg Sabel  / pixelio.de

Ein frommer Schüler fragte einmal seinen Lehrer, wie man denn richtig zu beten hat. Sein Lehrer sah ihm vertrauensvoll in die Augen und sagte: „Bete so wie du im Moment beten willst.“ Der Schüler bedankte sich für die Antwort und ging in seine Kammer. Dort angekommen, zog er seine Kleidung aus und begann mit dem Beten. Er kniete sich neben sein Bett, faltete seine Hände, schloss seine Augen und begann zu sprechen: „Allmächtiger Vater im Himmel, ich danke dir für dein Wohlwollen und deine Güte. Hilf mir, mich in meinem irdischen Leben zurechtzufinden und gib mir die Kraft, all die Hindernisse, die mir bevorstehen, zu bewältigen. Amen!“ Der Schüler beendete sein Gebet und legte sich zu Bett.

Am nächsten Morgen begegnete er seinem Lehrer, der ihn fragte, wie er denn gebetet habe. Darauf erzählte der Schüler seinem Lehrer, wie er am Vorabend neben seinem Bett gekniet hat und seinen Dank und seine Wünsche an Gott gereicht hat. Der Lehrer lächelte seinen Schüler an und sagte: „Gut gemacht.“ Der Schüler fragte seinen Lehrer: „Gibt es bestimmte Gebete, die mir helfen können, dass meine Hoffnungen erfüllt werden? Gibt es Formeln, die mir Gewissheit geben können?“ Der Lehrer holte ein kleines dunkelbraunes Buch aus seiner Tasche und gab es seinem Schüler. Dazu sagte er: „Hier findest du alle bekannten und wichtigen Gebete, die seit Anbeginn überliefert wurden. Viele vor uns konnten mit diesen Gebeten Wunder bewirken.“ Dem Schüler verschlug es die Sprache, dass der Lehrer ihm dieses Buch einfach so nebenbei gegeben hat. Er war von dieser Gebetssammlung sehr beeindruckt, auch wenn er noch gar keinen Blick hinein geworfen hatte. Freudig verabschiedete er sich von seinem Lehrer und setzte sich mit dem geschenkten Buch in einen nahen Garten. Die Sonne schien und der junge Schüler setzte sich auf eine Bank, die sich direkt an einem Teich befand. Er schlug das Buch auf und las sehr aufmerksam die ersten Gebetsformeln. Sie erklärten die korrekte Anrufung des Herrn und führten in bestimmte Gebetshaltungen ein. Der Schüler konnte nicht mehr an sich halten und wollte nun unbedingt einige dieser Gebete sprechen. Er kniete sich neben die Sitzbank und blätterte im Gebetsbuch zu einem Gebet, welches er in diesem Moment beten wollte. Nach einiger Zeit erhob er sich und ging zurück in seine Kammer. In dem großen Flur begegnete ihm abermals sein Lehrer. Dieser fragte den Schüler: „Hast du mein Buch schon nutzen können?“ Der Schüler antwortete ihm: „Oh ja, Lehrer! Ich habe eben im Garten sehr freudig beten können. Habt Dank für dieses wunderbare Geschenk.“ Der Lehrer lächelte ihn an und ging ohne ein Wort zu sprechen weiter. 

Es vergingen mehrere Wochen und der Schüler befasste sich intensiv mit den Gebeten, die in dem Buch zu finden waren. Er ging nur noch selten aus seiner Kammer und verbrachte die meiste Zeit kniend vor seinem Bett. Als er eines Tages seine Zelle verließ, stieß er auf den Lehrer, der ihm das Buch geschenkt hatte. Dieser sah im Gesicht des Schülers Zweifel und Wut geschrieben, so dass er neugierig wurde. Er fragte ihn, ob alles in Ordnung sei und der Schüler antwortete: „Ich weiß nicht. Ich bin sehr verwirrt. Die Gebete, die ich erhalten habe, scheinen nicht zu funktionieren. Ich bete nun seit so langer Zeit um gewisse Dinge, aber nichts tut sich. Ich weiß nicht, was ich falsch mache.“ Da wurde der Lehrer hellhörig und fragte, ob der Schüler denn alles so gemacht hätte, wie in dem Buch beschrieben. Der Schüler bejahte diese Frage und betonte, dass er noch viel mehr als das getan hätte. Der Lehrer schmunzelte und sagte schließlich: „Dein Beten ist kein echtes Beten.“ Der Schüler war verwirrt. Um die Verwirrung zu nehmen, holte der Lehrer sein eigenes Gebetsbuch aus der Tasche. „Hier“, sagte er, „dieses Buch ist mein eigenes Gebetsbuch. Ich habe es schon sehr lange und ich nutze es jeden Tag um mit Gott zu sprechen. Noch nie hat er meine Stimme verschmäht. Möchtest du es haben?“ Der Schüler entgegnete sofort mit „Ja!“ und nahm das Buch des Lehrers an sich. Als er es in seiner Kammer aufschlug, um damit zu beten, fand er nur unbeschriebene Seiten.

Mittwoch, 6. März 2013

Der zähe Löwe

                                              Bildquelle: Eduard Fuchshuber  / pixelio.de


Sie nannten mich Helfer,
sie nannten mich Retter,
sie gaben mir den Titel „zäher Löwe“,
wir waren Verbündete.

Ich gab ihnen meinen Schutz,
ich verlieh ihnen Kraft,
ich kämpfte an ihrer Seite,
tausend Feinde konnten uns nichts anhaben.

Aufgegeben haben sie den Treuebund,
abgelassen haben sie von meiner Kraft,
vernichtet werde ich von ihnen,
zerstört wird der einstige Kamerad.

Sie nennen mich Unkraut,
sie nennen mich Wildwuchs,
doch bin ich noch immer der zähe Löwe,
auch bekannt als Löwenzahn.